Abschlussbericht Architekturbüro Hochstapler – Projekt Zeltlager 2015

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Auf was habe ich mich da bloss eingelassen? Ein Projekt anzunehmen von einem Bauherrn, der seinen Namen nicht bekannt machen möchte. Das war mir ja schon eine komische Angelegenheit. Und dann noch diese Jungwacht Windisch, die sich tatsächlich als kompetente Baufirma ausgeben wollte. Die spinnen doch, diese Jungwächter. Und als ob das Ganze nicht schon verrückt genug wäre, steckten die auch noch zusammen unter einer Decke. Denn der Bauherr wäre den Jungwächtern nämlich durchaus bekannt gewesen, hätten sie realisiert, dass es der hauseigene Präses ist.

Aber ich muss ja gestehen, die Arbeit während dieser zwei Wochen war sauglatt. Mal mit einer Firma zusammenarbeiten, bei der nicht immer herumgenörgelt wird, miese Stimmung herrscht, überall gepfuscht wird und keine Motivation vorhanden ist. Die Jungs wollten einfach nur bauen, basteln, baden und Bändelirupfen. Und das Absurdeste an der ganzen Sache war: Die ganze Schar schlief sogar auf der Baustelle!

Natürlich waren die Bauarbeiter in Sachen Effizienz nicht die Schnellsten, doch was spielt das für eine Rolle, wenn solch eine tolle Atmosphäre herrscht. Ein paar Beispiele gefälligst? Na bitte:

Die Herren wollten um jeden Preis einen Turm aufstellen, der mächtiger und schöner ist wie jeder Andere, den sie bisher gesehen hatten. Also stellten die Jungs ein 10-Meter-Ding auf die Beine. Ein Tag darauf sah ein Bauarbeiter auf der Firmenreise einen Turm, der noch grösser war als ihr eigener. Also wurde das ganze Teil prompt abgebaut und um fünf Meter vergrössert. Irre!

Weiter hatten die Jungwächter an einem Abend etwas gedrückte Stimmung. Die ständige Hitze zerrte an den Kräften. Also strich die Bauleitung kurzerhand die Nachtschicht und veranstaltete einen Tanzblock. Ich traute meinen Augen nicht, die ganze Horde tanzte und sang zu Katy Perry, Taylor Swift und sonstigen Hits, die halt so während dem ganzen Tag bereits auf Radio Argovia liefen (schliesslich wird auf der Baustelle ja nur Radio gehört). Ich sage euch, danach strahlte wieder jeder einzelne Arbeiter so, als hätte er gerade im Lotto gewonnen.

Oder noch so eine prägende Story: Als am Schluss herauskam, dass ihr Präses Trabi eigentlich der Bauherr war, organisierte die Bauleitung kurzerhand Feuerwerk und Rimuss, um die Neuigkeit zu feiern. Total abgefahren, die Jungs hatten gerade erfahren, dass der ganze Auftrag ein Witz war und sie nicht einmal einen anständigen Lohn bekommen würden und das feiern die auch noch! Irgendwie muss das an der Jungwachtmentalität liegen. Der Spass gewinnt wohl immer.

Im Endeffekt ist das schrägste an der Geschichte, dass mich diese Sache selber geprägt hatte. Ich entschloss mich noch während dem Lager, selber auf der Baustelle zu schlafen. Irgendwie war ich so fasziniert von der Sache, dass ich selber Teil davon sein wollte. Und jetzt habe ich das Geschenk. Ich werde wohl nie mehr mit einer normalen Baufirma zusammenarbeiten können. Ich warte einfach bis zum nächsten SOLA und hoffe darauf, dass Trabi wieder bei mir anruft, um das nächste Projekt in Auftrag zu geben.

Ihr Architekt Archibald Hochstapler.

PS: Wer mir nicht glaubt, der soll sich über den Jungwacht Windisch Kanal auf Youtube überzeugen. Von jedem Tag gibt es ein Video-Rückblick.